Das runde gelbfarbene Leckerli ...
Hier muss ich auch wieder etwas in meine Erinnerungskiste kramen, jedoch – wie ich finde – eine sehr herzerwärmende Geschichte.
Ich lernte zu meinen Anfangszeiten Julia und Tirza kennen. Ich war von vorn herein sehr gespannt auf dieses Gespräch, da ich für Islandpferde etwas übrig habe. Wie immer wollte ich keine Informationen vorab haben und lies mir – derzeit protokollierte ich noch und führte es nicht in einem Live-Gespräch- ein paar Fragen der Halterin zukommen.
Als ich mich mit der Stute verbunden hatte spürte ich sofort, das sie etwas ganz besonderes ist. Es herrschte eine sehr tiefe Verbundenheit zu ihrem Menschen. Ich spreche hier von genau jener Verbindung, die man sich für jedes Pferd-Mensch Team nur wünschen kann.
Das Erleben zu dürfen, war für mich mehr als magisch und genau diese Magie möchte ich mit euch teilen.
Tirza zeigte mir in einer sehr bunten Farbvielfalt, wie sich ihr „Alltag und ihr Leben“ ebnet. Sie zeigte mir ihre Ponyfreundin in voller Pracht und Montur. Sie zeigte mir ihren Weg von der Box auf das Paddock, wie sie lebt und natürlich auch Dinge die sie mit Julia verbunden hatte. Ich hatte es derzeit noch nicht so gut mit der Wahrnehmung von Bildern. Es fiel mir vorab immer sehr schwer und Tirza zeigte mir diese Bilder mit einer grandiosen Leichtigkeit.
Das Highlight für mich waren ihre Leckerchen.
Ich spürte ihren Geschmack in meinem Mund und auch konnte ich die sonnengelbe Farbe sehr gut erkennen sowie die Größe und das bis ins kleinste Detail. Ich sah das Lackerchen auf einer Hand liegend. Sie waren geformt wie ein Donut, entsprechend mit einem Loch in der Mitte.
Bis hier hin, war es für mich ein sehr gut gelaufenes Gespräch, es brachte mich weiter, dennoch wie ein jedes andere. Klar, die Verbindung zwischen den beiden war schon bemerkenswert, das habe ich zuvor so noch nicht gespürt, dennoch dachte ich mir im ersten Moment nichts dabei.
Also schickte ich, wie immer, mein geschriebenes Protokoll Julia zu und wartete gespannt auf ein Feedback.
Ein solches Feedback ist gerade für Neueinsteiger sehr wichtig. Wir sind nahezu darauf angewiesen um unser Vertrauen in unserem Tun zu stärken. Entsprechend sollte immer darauf geachtet werden, das ein Gespräch eines „Einsteigers“ mit sehr vielen Fragen seitens des Tierhalters gestellt werden, die dieser auch zu 100 % beantworten kann
Julia war sicherlich genauso erstaunt wie ich, sie war begeistert von dem Protokoll und wie detailliert ich sehr vieles schildern konnte. Denn genau in diesem Moment erfuhr ich, das Tirza an einem chronischen Augenleiden leidet und nahezu blind ist. Die Tierärztin teilte mit, das sie bei Sonnenschein maximal Schatten erkennen kann und gerade mal so den Unterschied von Tag und Nacht unterscheiden kann.
In diesem Moment wurde mir erst alles bewusst...
Mit einem Schlag war mir diese enorme Verbundenheit zwischen den beiden klar. Tirza „musste“Vertrauen, denn das sichert ihr (Über-)Leben. Ich habe die beiden noch eine Zeit lang und immer wieder mal begleitet, letzten Endes mussten beide Augen operativ entfernt werden (Hier wird eine weitere Geschichte mit einer himmlischen Fügung folgen).
Ich bin immer wieder hin und weg von den beiden. Julia kaufte dann sogar noch die Ponyfreundin, die aus betrieblichen Gründen verkauft wurde, nur um Tirzas Gewohnheiten nicht zu verändern. Julia kann mit Tirza ins Gelände gehen, sie kann Bodenarbeit mit ihr tätigen und dort sogar Hindernisse überqueren. Tirza ist inzwischen 17 Jahre alt und fungiert als Therapiepferd. Ihre Ponyfreundin ist ebenfalls noch immer da und die kleine Herde wurde durch Tirzas Schwester ergänzt.
Tirza versicherte mir, dass sie so sehr mit Julia verbunden ist.
„Julia ist mein Augenlicht, ich sehe durch ihre Augen. Und Letzlich gilt, wir müssen so oder so wieder erlernen mit dem Herzen zu sehen, dann erkennt man ganz schnell, das die Augen nur das I-Tüpfelchen sind. Denn letzenendes gilt immernoch 'Man sieht nur mit dem Herzen gut!'. “